Leverage Effekt

Wie Stehen Der Leverage Effekt und Die EK-Quote In Beziehung Zueinander?

 

Der Leverage Effekt, auch Financial Leverage Effekt genannt, versucht zu klären, warum der Verschuldungsgrad respektive die Fremdkapitalquote so hoch gewählt wird.

Dies kann zwei Gründe haben.

  1. Das Unternehmen hat nicht genug Eigenkapitalquellen
  2. Das Unternehmen nimmt bewusst viel Fremdkapital auf.

Während Punkt Eins relativ verständlich ist, werden einige den zweiten Grund vielleicht nicht nachvollziehen können.

 

Der Grund hierfür liegt in der Erhöhung der Eigenkapitalrendite, welcher besser mit dem Begriff Leverage Effekt umschrieben wird. Dieser Hebeleffekt drückt aus, dass die Eigenkapitalrendite mit zunehmendem Verschuldungsgrad ansteigt.
Die Eigenkapitalrendite ergibt sich, indem man den Jahresgewinn nach Zinszahlung zum verwendeten Eigenkapital in Beziehung setzt, also:
Eigenkapitalrendite = (Jahresgewinn – Zinsen)/Eigenkapital

 

Diese Zahl multipliziert mit 100 würde die Eigenkapitalrendite in Prozent ausdrücken.

 

Da Aktionäre und Großinvestoren zur Beurteilung einer Investition insbesondere darauf achten, wie hoch die Eigenkapitalrendite ist, versuchen Unternehmen diese künstlich hochzuschrauben.

Um den Leverage Effekt besser zu verstehen, schauen wir uns wieder ein fiktives Beispiel genauer an.

Leverage Effekt Beispiel:

 

Ein Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von 10% des eingesetzten Kapitals (Investitionsrendite), der Fremdkapitalzinssatz beläuft sich auf 6%. Wenn dieser Fall vorliegt, wo die Investitionsrendite höher ist als der Fremdkapitalzinssatz, lohnt sich die Erhöhung des Verschuldungsgrades. Nur dann steigt nämlich auch die Eigenkapitalrendite. Dieser Effekt wird auch als Leverage Chance bezeichnet.

 

Will das Management den Verschuldungsgrad erhöhen, so sollte nicht das vorhandene Eigenkapital substituiert werden. Wenn das Eigenkapital nämlich nicht für die Geschäftstätigkeit benutzt wird, so sollte es dennoch angelegt werden. Wenn jedoch eine Alternativanlage weniger als 10% bringt, welcher ja im Unternehmen selbst erwirtschaftet werden kann, dann lohnt sich nicht das Entziehen des Eigenkapitals aus dem Unternehmen.

Daher wird hier einfach angenommen, dass zusätzliches Fremdkapital zum bestehenden Eigenkapital hinzukommt, so dass das Gesamtkapital zunimmt.

Starten wir mit einem Verschuldungsgrad von 0%, d.h. das Unternehmen besteht nur aus Eigenkapital, welcher hier 100€ betragen soll.

Die EK-Rendite wäre demnach:

 

Jahresgewinn: 0,1*100€ = 10€

Zinsen: 0€

Eigenkapitalrendite: 10€/100€ = 10%

Jetzt wird der Verschuldungsgrad auf 50% erhöht. Das Unternehmen nimmt also 50€ Fremdkapital auf.

 

Jahresgewinn: 0,1*150€ = 15€

Zinsen: 0,06*50€ = 3€

Eigenkapitalrendite: 15€-3€/100€ = 12%

Die Eigenkapitalrendite ist somit gestiegen. Nehmen wir nun einen Extremfall, wo der Verschuldungsgrad 1000% beträgt. Es werden also 1000€ Fremdkapital aufgenommen.

Jahresgewinn: 0,1*1100€ = 110€

Zinsen: 0,06*1000€ = 60€

Eigenkapitalrendite: 110€-60€/100€ = 50%

 

50% Eigenkapitalrendite werden auf diese Weise erreicht. Wie man sieht, ist nicht nur die Rendite gestiegen, sondern auch der Gewinn, der letzten Endes im Unternehmen bleibt, von anfänglich 10€ auf 50€.

 

Diese Art von Eigenkapitalrenditeerhöhung wird zwar sehr viele Investoren anlocken und damit den Aktienkurs in die Höhe treiben, aber das Risiko dieser Investition ist auch immens gestiegen. Die Eigenkapitalrendite ist ja nicht deshalb gestiegen, weil man nun bessere Wege gefunden hat, das eingesetzte Kapital betrieblich besser zu nutzen, sondern man hat lediglich das Fremdkapital erhöht.

 

Was glauben Sie denn wird passieren, wenn auf einmal die Investitionsrendite von 10% auf 5% sinkt, also unter den Fremdkapitalzinssatz oder wenn die Gläubiger aufgrund des nun für Sie höheren Risikos ihr Kreditzinssatz erhöhen? Dann würde das Unternehmen herbe Verluste einfahren und der Aktienkurs rapide abstürzen.

 

Daher sollten Sie als Aktienanleger genau schauen, ob Gewinn- und/oder Eigenkapitalrenditeerhöhungen in den letzten Jahren nicht auf eine Erhöhung des Verschuldungsgrades zurückzuführen sind. Wenn ja, dann ist Vorsicht geboten, denn aus der Leverage Chance kann sehr schnell ein Leverage Risiko werden.

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