Aktien oder Immobilien

In Zeiten niedriger Zinsen gelten Aktien oder Immobilien als alternative Geldanlage. Aktien erscheinen eher als spekulative Anlagen, Immobilien als sicher. Beide Urteile entsprechen nicht der Wirklichkeit.

Betongold – die sichere Immobilie?

Bei Immobilien als Vermögensanlage gilt es, zwischen dem selbst genutzten Eigenheim und einer vermieteten Immobilie zu unterscheiden.

Das Eigenheim

Egal ob freistehendes Einfamilienhaus, Eigentumswohnung – der Kauf einer selbst genutzten Immobilie kann eine sehr sinnvolle Altersvorsorge darstellen. Allerdings sollte das Eigenheim beim Eintritt ins Rentenalter möglichst schuldenfrei oder nur noch gering belastet sein. In der Regel sinkt das verfügbare Einkommen mit dem Renteneintritt, eine schuldenfreie Immobilie verringert gerade bei geringen oder mittleren Einkommen die monatlichen Fixkosten erheblich.

Die vermietete Immobilie

Drei Dinge sind beim Kauf einer vermieteten Immobilie wichtig: 1. die Lage, 2. die Lage und 3.die Lage. Was banal klingt, entspricht trotzdem der Realität.

Eine günstig erworbene Immobilie auf dem Land kann schnell zur unkalkulierbaren Belastung werden. Gerade in kleineren Orten ohne Infrastruktur (Kindergarten, Schule, Arzt, Apotheke, Einkauf, öffentlicher Nahverkehr einschließlich Bahnanschluss) ist es nicht einfach, dauerhaft solvente Mieter zu finden.

Auch andere Aspekte sind bei der Lage einer Immobilie zu berücksichtigen. Eine Etagenwohnung im Hochhaus wird sich in einer Stadt wie München gut vermieten lassen, in weniger beliebten Städten konkurrieren diese Wohnungen häufig mit solchen in kleineren und daher attraktiveren Häusern.
Städte mit Hochschulen können für die Immobilienanlage interessant sein. Studenten sind seriöse Mieter, da häufig die Eltern die Mietkosten übernehmen. Kleinere Appartements sind an diesen Standorten ebenso gefragt wir große Wohnungen für Wohngemeinschaften.

Aktien – Spekulation oder seriöse Geldanlage?

Wer Aktien kauft, erwirbt einen, wenn auch kleinen, Anteil an einem Unternehmen. Coca Cola, VW, BASF, Commerzbank, Facebook oder SAP – dies sind nur einige Beispiele für große und bekannte Aktienunternehmen, in die ein Aktienkäufer investieren kann.

Neben den großen und bekannten Aktien gibt es auch solche eher kleiner und weitgehend unbekannter Unternehmen. Die Größe sagt allerdings nichts aus über die Rendite, die mit einer solchen Aktie erzielt werden kann.

Blue Chips

In der Welt der Aktien verbergen sich hinter dieser Bezeichnung die sehr großen Aktienunternehmen, die sich zudem über Jahre hinweg am Aktienmarkt bewährt haben. Der Kurs der Blue Chips schwankt in der Regel nicht so deutlich, auch schütten sie gewöhnlich relativ gleichmäßige Dividenden aus. Dividenden sind die Anteile der Aktionäre am Gewinn des Unternehmens.

Blue Chips sind somit eine guter Kauf für Anleger, deren Risikobereitschaft eher begrenzt ist.
Wer in kleinere Aktiengesellschaften oder in Neuemissionen investieren möchte, sollte sich vorher fundierte Kenntnisse des Aktienmarktes aneignen.

Alternative Aktienfonds

Mit einem Aktienfonds-Anteil von 100 Euro erwirbt der Käufer Anteile an einer ganzen Fülle von Aktienunternehmen. Neben Fonds, die nur in die 30 im DAX (Deutscher Aktienindex) vertretenen größten deutschen Aktienunternehmen investieren, gibt es eine große Zahl von Aktienfonds mit ganz unterschiedlichen Anlageschwerpunkten.

Eines zeichnet jeden Fonds aus: Hinter jedem Anteil, und sei er im Wert noch so gering, verbergen sich noch kleinere Anteile vieler Aktienunternehmen.
Deshalb sollten Anleger, die einerseits die Chancen des Aktienmarktes nutzen wollen, andererseits aber kaum Finanzkenntnisse haben, sich immer für Fondsanteile anstatt für den direkten Aktienkauf entscheiden.

Klumpenrisiken durch Fonds vermeiden

Der Begriff des Klumpenrisikos bezeichnet im Bankwesen ein übermäßig hohes Ausfallrisiko für Kredite. Hat eine Bank nur Kredite an private Bauherren vergeben, ist dies kein Problem, solange diese Schuldner in Lohn und Brot stehen und die Schulden bedienen können. Steigt hingegen die Arbeitslosigkeit, kann dies dazu führen, dass eine erhebliche Zahl der Schuldner zahlungsunfähig wird.

Wer sein Kapital in den zurückliegenden Jahren einzig in VW-Aktien angelegt hat, musste in den vergangenen Monaten enorme Verluste hinnehmen. Besitzer von Aktienfonds hingegen profitieren von der Risikostreuung, weil die Verluste von VW-Aktien durch Gewinne anderer Unternehmen wettgemacht werden.

Auch eine Immobile kann zum Klumpenrisiko werden. Der Käufer ist auf die ununterbrochene Vermietung angewiesen, etwa zur Schuldentilgung, bei längerem Mietausfall droht die Insolvenz.
Offene Immobilienfonds verteilen dieses Risiko erheblich. Der Fonds investiert in viele Immobilen und vermindert damit das Risiko.